JohnnieHigh: Amerikanisch geprägte Firma

Ich muss jetzt für einige Zeit mit Anderen in einem Büro zusammen arbeiten. Also nicht mit normalen Kollegen, die man kennt, sondern in so einem modernen Co-working Space, wie es sie jetzt in jeder amerikanisch geprägten Firma zuhauf gibt. Einerseits finde ich das prima, denn so muss ich für die kurze Zeit, die ich in der Hauptstelle bin, nicht extra Internet beantragen oder einen störungsanfälligen Stick nutzen. Der Nachteil besteht aber klar darin, dass die Mit-Worker alle nicht zu den leisesten gehören. Das fängt schon morgens damit an, dass sie an der laut zischenden Kaffeemaschine zusammen stehen, während ich versuche, meiner Arbeit nachzugehen. Da geht es also munter mit ewigen Floskeln wie “Alles fresh?”, was mit “Yes, alles mega-fresh” beantwortet wird, los. Wer will so etwas hören, wenn er gerade an einem Buch schreibt? Ich jedenfalls nicht, aber wie gesagt, es ist eben für die Recherche sehr praktisch, dieses Büro zu nutzen, wo man immer guten Empfang, also stabiles Internet, hat.

flagge mit Headset

Amerikanische Firma – aber muss ich ein Kopfhörer tragen, um in Ruhe arbeiten zu können? Von den Leiden in einem Großraumbüro.

Ich habe also die ersten Tage versucht, das alles auszublenden, einfach stoisch meiner Arbeit nachzugehen. Das lief aber nicht so, wie ich mir das vorstelle, denn es kann jederzeit alles passieren. Plötzlich erscheint einer an der Tür und tut kund, dass er heute Spagetti kochen will, wer alles mitessen will. Die müssen alle kein Zuhause haben, dass sie den ganzen Tag da verbringen. Essen, Pausen mit oder ohne Zigarette, mir kommt das so vor, als würden die sich in die Tasche lügen, dass sie ganz tollen Erfolg haben. Der eine baut gerade an der Webseite, die ihm Millionen bringen wird, der nächste schreibt das Drehbuch, das alles in den Schatten stellen soll. Und so weiter, sie sind alle sympathisch, aber extrem leicht abgelenkt und eben auch extrem laut. Ich verstehe nicht, warum man eine Tür zuschlagen muss, so dass alles wackelt, wenn man sie doch auch leise schließen kann. Mir kommt in den Sinn, dass die neue Generation, und die sind fast alle um die 25, wohl komplett lärmunempfindlich sein muss.

Nun ja, ich bin es auf jeden Fall nicht, habe aber nach ein par Tagen Ärger, Zusammenzucken eine gute Lösung gefunden: Die noise cancelling Headphones. Ich setze die also morgens auf. Alles wirkt ganz normal, als würde ich mir auch Musik rein pfeifen, aber darunter ist das große Nichts. Kein Laut, und die werten Kollegen sehe ich seitdem wie in einem Stummfilm oder als würden sie in einem Aquarium herum schwimmen. Seitdem ich die Kopfhörer nutze, freue ich mich sogar auf das Büro. Ich kann gut was schaffen, bin unter Leuten, kann, wenn ich will, einen Plausch halten, aber wenn ich Ruhe brauche, um wirklich was zu schaffen, bekomme ich die. Hier kann man wirklich sagen, dass Zeit Geld ist, ich schaffe ordentlich was!